ScienceBlog-Beitrag zum Begriffsverständnis digitaler Gesundheitsversorgung

In unserem Science-Blog haben wir einen neuen Artikel veröffentlicht:

Darin beleuchten wir, wie unscharf das Begriffsverständnis in der digitalen Gesundheitsversorgung momentan ist. Basierend auf einer Literaturrecherche schlagen wir ein Begriffsmodell vor, welches die Kommunikation während der Zusammenarbeit zu digitalisierten Anwendungen im Gesundheitswesen verbessern soll.

Hier geht es zu dem Science-Blog-Beitrag!

Digitale Gesundheitsversorgung – Bedarf an einem einheitlichen Begriffsverständnis

Wenngleich im Zuge der digitalen Transformation die Veränderungsprozesse im medizinischen Umfeld vermehrt in den Fokus wissenschaftlicher und politischer Diskussion geraten, so hat sich gleichzeitig ein babylonischer Wirrwarr um die zentralen Begriffe wie Telemedizin, Telehealth und eHealth entwickelt. Die Bezeichnungen werden teilweise synonym genutzt, obwohl sie sich klar in ihrem Fokus und Umfang unterscheiden. Sowohl für die Forschung als auch für die Anwendung/in der Praxis ist diese terminologische Heterogenität ein großes Problem, das zu Missverständnissen und falschen Ergebnissen führen kann .

Zur Überwindung dieses Problems, haben wir eine Literaturanalyse durchgeführt, um die Definitionen zu harmonisieren und bestehende Konzepte miteinander in Relation zu setzen. Ergebnis unserer dieser Untersuchungen ist eine Konsolidierung und Abgrenzung der Begriffe Telemedizin, Telehealth, eHealth und mHealth (Abbildung: Ontologie).

Ontologie

Zentraler Ausgangspunkt für die Konsolidierungsarbeit sind die Begriffe Telematik (Informationsübertragung über Distanzen ) sowie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wobei letztere durch die Digitalisierung an Bedeutung gewonnen haben . eHealth beschreibt „Instrumente und Services, die IKT nutzen und Prävention, Diagnose, Behandlung, Kontrolle und Management verbessern können“ . eHealth ist der Oberbegriff für  Telemedizin und Telehealth, umfasst aber beispielsweise auch andere Technologien und Services wie elektronische Gesundheitsakten. Für die Definition von Telemedizin sind drei Merkmale entscheidend: (1) die Überwindung von Distanzen durch (2) die Nutzung von IKT, um (3) Gesundheitsdienstleistungen zu erbringen . Im Vergleich dazu umfasst Telehealth neben Gesundheitsdienstleistungen durch Professionelle zusätzlich gesundheitsbezogene Aktivitäten wie bspw. präventive Maßnahmen . Telehealth ist somit, wie Telemedizin, ein Unterkonzept von eHealth, umfasst aber mehr als Telemedizin . mHealth fokussiert, wie der Name ausdrückt, auf die Nutzung mobiler Technologien „für Gesundheitsinformation und –services“ .

Unterscheidungskategorien und deren Ausprägungen

Als wesentliche Differenzierungsmerkmale haben sich Gesundheit (Behandlung von Krankheit) und Wohlergehen (u.a. zusätzliche präventive Maßnahmen, die in der Verantwortung des Individuums liegen) bzw. die unterschiedliche Intensität, mit der professionelle Akteure involviert sind, herausgestellt (Tabelle: Unterscheidungskategorien und deren Ausprägung). So liegt der Fokus von Telemedizin beispielsweise ausschließlich auf Gesundheit, während er bei mHealth nur auf Wohlergehen und bei Telehealth und eHealth auf beiden Aspekten liegt. Gleichzeitig sind bei Telemedizin und Telehealth zwangsweise professionelle Akteure (z.B. Ärzte) involviert. Hingegen fokussiert mHealth primär auf die Nutzung des Individuums selbst. eHealth umfasst wiederum beide Fälle.

Neben der reinen Definition der Konzepte und deren Zusammenhänge haben wir eine Erweiterung des Modells zur „Versorgungsrealität“ vorgeschlagen. Der bisherige Fokus unserer Untersuchung lag auf der Differenzierung technologisch-assoziierter Begrifffe. In einer nächsten Entwicklungsstufe soll eine Verbindung zum Patienten und weiteren Teilnehmern verschiedener Versorgungsmodelle aufgebaut werden. Die erstellte Ontologie soll zu einem einheitlichen Begriffsverständnis beitragen und die Qualität der Diskussionen zu digitalisierten Anwendungen im Gesundheitswesen aufwerten.

Referenzen