Basisforderung - Ohne Qualifikation bleibt Digital Health ein Nischenthema

Ohne Qualifikation bleibt Digital Health ein Nischenthema

Forderung:
Die Qualifikation im Bereich der Nutzung digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen muss essentieller Bestandteil des Medizinstudiums, der medizinischen Weiterbildung sowie der Ausbildung und Weiterqualifikation von Heil- und Pflegeberufen werden. Weiterhin sollte auch die aktive Einbeziehung und Schulung von Patientinnen integraler Bestandteil von Behandlungsstrategien werden.

Rationale:
Digitale Anwendungen im Gesundheitswesen leben von der Akzeptanz (siehe Forderung 5) und den Fähigkeiten aller beteiligten Akteurinnen, diese Anwendungen effektiv und zielgerichtet einsetzen zu können (Kowatsch et al., 2019). Dennoch wird die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und Soft Skills in der medizinischen Aus- und Weiterbildung bisher kaum berücksichtigt. Initiativen wie das Clinicum Digitale1 gehen erste Schritte in diese Richtung. Jedoch werden beispielsweise an der TU Dresden in den Querschnittsqualifikationen des Medizinstudiums bisher keine Kurse angeboten, die den Umgang mit, die Auswahl und Nützlichkeitsbewertung von digitalen Anwendungen betrachten oder zu allgemeinen Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit qualifizieren. Vielmehr werden separate Studiengänge im Bereich eHealth oder Digital Health2 angeboten. Ihren unmittelbaren Nutzen entfalten digitale Anwendung jedoch bei den Anwendenden, sprich den Leistungserbringerinnen und Patientinnen. Daher sollte die Bildung von Kompetenzen zur Verwendung und Kommunikation von digitalen Lösungen in die bewährten Qualifikationswege (Studium, Aus-, Weiterbildung etc.) integriert werden. Diesem sollte ein abgestimmtes und strukturiertes Konzept zugrunde liegen.
Hierfür empfehlen wir die Anwendung der im Rahmen unseres Forschungsprojektes erarbeiteten curricularen Empfehlungen (s. Abbildung), die auf nationalen und internationalen Initiativen fußen. Dies kann zur Entwicklung spezifischer Qualifikationsangebote herangezogen werden – differenziert nach Akteurinnen, Basis- und weiterführenden Kompetenzen sowie inhaltlichen Qualifikationszielen.

Modulstruktur des Care4Saxony-Curriculums. Ausgehend von einem gemeinsamen Basismodul sind verschiedene spezifische Vertiefungen („V“) möglich.

Was daraus folgt:
Kompetenzen zur Anwendung und Kommunikation digitaler Anwendungen im Gesundheitswesen werden immanenter Teil der Qualifikation von klinischem Personal.

Warnung:
Werden die digitalen Kompetenzen und Fähigkeiten der Anwenderinnen, insbesondere der Leistungserbringerinnen, nicht vorangetrieben und als essentielle Ausbildungsbestandteile verstanden und integriert, wird die Lücke zwischen digitalen Innovationen und ihrer effektiven Anwendung im Gesundheitswesen bestehen bleiben.

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