Langfristig erfolgreiche Implementierung von Telemedizininitiativen

Das Konzept „Telemedizin“ verspricht einen verbesserten Zugang zu medizinischer Versorgung bei gleichzeitig geringeren Kosten . Damit dieses Versprechen gehalten werden kann, sind langfristig erfolgreich implementierte Telemedizininitiativen jedoch die Voraussetzung. Verschiedenste Faktoren beeinflussen solch eine langfristig erfolgreiche Implementierung. Der folgende Beitrag soll dazu einen Überblick liefern. Wir haben Barrieren und Erfolgsfaktoren, die einen Einfluss auf die Implementierung von Telemedizininitiativen haben, aus internationaler Literatur zusammengetragen. Geordnet in verschiedene beeinflussende Komponenten auf drei Ebenen zeigt die folgende Abbildung die gewonnenen Erkenntnisse. Um mehr über einzelne Komponenten zu erfahren, fahren Sie mit der Maus darüber. Wichtig ist, dass eine langfristig erfolgreiche Implementierung nur dann gelingen kann, wenn alle involvierten Akteure gemeinsam daran arbeiten. Eine ganzheitliche Strategie ist notwendig, als deren Grundlage unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse dienen sollen. Zu jeder Komponente sind die Barrieren und Erfolgsfaktoren auf einer separaten Seite zusammengefasst. Dort finden sich auch Informationen über beteiligte Akteure und konkrete Strategien, wie eine langfristig erfolgreiche Implementierung auf den einzelnen Ebenen unterstützt werden kann.

Informationen zur angewandten Methode und zu weiteren Hintergründen finden sich im originalen Konferenzbeitrag. Die hier dargestellten Erkenntnisse bildeten u.a. die Grundlage zur Entwicklung des Reifegradmodelles für Telemedizin in Gemeinschaften. In diesem liegt der Fokus explizit auf dem Einfluss von örtlichen Gemeinschaften bzw. Interessensgemeinschaften auf die langfristig erfolgreiche Implementierung von Telemedizininitiativen liegt. Schauen Sie sich gern das entwickelte Modell an und testen Sie, wie bereit Ihre Gemeinschaft ist, um Telemedizin erfolgreich voran zu bringen!  

Referenzen

Definition und Abgrenzung von Telemedizin und verwandten Begriffen- eine ontologiebasierte Klassifikation

Die Art und Weise, wie die Gesundheitsfürsorge erbracht wird, ändert sich ständig und wird zunehmend durch digitale Technologien, wie z.B. Telemedizin, unterstützt. In diesem Zusammenhang existieren viele Begriffe, die nicht einheitlich definiert sind und daher mehrdeutig verwendet werden. Dies erschwert die Beurteilung der Evidenzbasis. Ontologien bringen Struktur und Klarheit zum Diskurs über Telemedizin und verwandte Begriffe. Unser Ziel ist die Bereitstellung eines evidenzbasierteren Verständnisses relevanter Begriffe im Bereich der digitalen Gesundheit.

In der folgenden Abbildung finden Sie eine Auswahl von Definitionen für Begriffe, welche im Zusammenhang mit Telemedizin stehen. Fahren Sie dafür mit der Maus über das Bild.

Um das Verständnis und die Abgrenzung der Begriffe zu erleichtern, zeigt die folgende Tabelle wichtige Differenzierungsmerkmale und deren Spezifikation für die betrachteten Begriffe.

Abgrenzung von Begriffen im Zusammenhang mit Anwendungen der Gesundheitstechnologie

Abgrenzung/ BegriffGesundheits-ITmHealthTelemedizinTelehealthDigital healthAAL
Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie x xxxxx
Überwindung von Entfernungen(x)xxx(x)(x)
Mobile Leistungserbringungx(x)(x)(x)(x)
Fokus auf Medizinxxxxxx
Fokus auf Wohlbefindenxxxxx
Einbindung von LeistungserbringerInnenx(x)xx(x)(x)
Anwendung im Wohnraumx
Legende:
"x": Merkmal ist immer erfüllt
"(x)": Merkmal kann erfüllt sein

Aufgrund der sich abzeichnenden Entwicklung von Unterkategorien und Trends in der digitalen Gesundheit ist eine kontinuierliche Aktualisierung der terminologischen Nomenklatur notwendig, um deren zeitgemäße Gültigkeit zu gewährleisten.

Weitere Informationen zur angewandten Methode und detaillierten Ergebnissen finden Sie im originalen Buchbeitrag.

Literaturverzeichnis

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Anwendung des Reifegradmodells für Telemedizin in Gemeinschaften (TCRM)

Das Reifegradmodell (TCRM) hilft, die aktuellen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Telemedizinimplementierung in Gemeinschaften zu bestimmen. Gemeinschaften können dabei örtlich verbunden sein (bspw. Regionen oder Gesundheitsnetzwerke) oder über ein gemeinsames Interesse (bspw. eine gemeinsame Krankheit) verfügen.

Im Folgenden werden Sie Schritt für Schritt durch das TCRM geleitet und erhalten Informationen über den Status quo in Ihrer Gemeinschaft. Mit Hilfe des Modells werden auch Aspekte vorgeschlagen, welche bei der weiteren erfolgreichen Implementierung von Telemedizinintiativen unterstützen.

Auch wenn Sie bisher noch keine Telemedizininitiativen implementiert haben, aber gute Voraussetzungen dafür schaffen wollen, können Sie das TCRM anwenden.

Info: Am Ende des Fragebogens können Sie sich Ihre Ergebnisse per E-Mail schicken lassen. Zu Dokumentationszwecken können Sie sich im Rahmen des Fragebogens auch zusätzliche Gedanken in den Freitextfeldern notieren.

 

 

Bei Fragen oder Rückmeldungen zum TCRM wenden Sie sich gern an info@care4saxony.de.

Telemedizin kann helfen, den Langzeit-Blutzuckerwert zu senken, Qualität der Evidenz ist allerdings durchmischt

Die Care4Saxony-Nachwuchsforscher Lorenz Harst und Patrick Timpel haben zusammen mit Sarah Oswald (Masterstudiengang Public Health) und Prof. Dr. Peter Schwarz (UKD, Prävention und Versorgung des Diabetes), eine systematische Literaturrecherche zur Wirksamkeit von Telemedizin bei Patienten mit Diabetes, Lipidstoffwechselstörung und Buthochdruck im Journal of Medical Internet Research (JMIR) veröffentlicht.

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Workshop zu Diffusion digitaler Gesundheitslösungen

Gemeinsam mit internationalen Kollegen organisiert die Nachwuchsforschergruppe Care4Saxony einen Workshop auf der HealthInf 2020. Ziel ist es, internationale Forscher und Praktiker zum Thema Diffusion digitaler Gesundheitslösungen zusammenzubringen und Erfolgsgeschichten u.a. in den Bereichen Telemedizin, integrierter Versorgung oder Gamification zu teilen.

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